Ein häufiges Missverständnis, das ich immer wieder sehe, betrifft die Verwendung von Gewürzen in ethnischen Küchen. Viele glauben, dass sie einfach „mehr“ Gewürze hinzufügen können, um ein Gericht authentisch zu machen. Aber ist das wirklich so? Oft entsteht dadurch eine unausgewogene, fast überfordernde Geschmackswelt, die nicht das widerspiegelt, was die ursprüngliche Küche ausmacht. Es geht nicht nur darum, exotische Zutaten zu verwenden – es geht darum, zu verstehen, warum sie verwendet werden, in welchem Verhältnis, in welchem Kontext. Das ist keine Frage der Quantität, sondern der Sensibilität. Und genau hier liegt der Kern dieses Ansatzes: die Fähigkeit zu entwickeln, nicht nur Rezepte nachzukochen, sondern tatsächlich die Denkweise hinter den Gerichten zu begreifen. In meiner Erfahrung gibt es einen Unterschied zwischen dem reinen Nachahmen und dem echten Verstehen. Wer nur die Oberfläche einer Küche streift, könnte meinen, es ginge allein um bestimmte Zutaten oder Techniken. Doch wahre Kompetenz zeigt sich in den kleinen Entscheidungen – wie man Hitze reguliert, wie lange eine Zutat ziehen muss, wann man ein Gericht ruhen lässt. Das sind keine Details, das sind die Momente, in denen man die Seele einer Küche spürt. Ein Beispiel: In der thailändischen Küche wird oft auf den Balanceakt zwischen süß, sauer, salzig und scharf verwiesen. Aber wer versteht wirklich, warum ein Hauch mehr Limettensaft oder ein Löffel Palmzucker alles verändern kann? Ohne dieses Verständnis bleibt das Ergebnis bestenfalls „okay“, aber niemals tief bewegend. Und ist das nicht, worum es letztlich geht? Nicht nur „etwas anderes“ zu kochen, sondern tatsächlich kulturelle Brücken zu schlagen – sich die Kompetenz zu erarbeiten, die es braucht, um die Essenz einer Küche zu respektieren und gleichzeitig kreativ damit umzugehen. Dieses Gleichgewicht aus Fundament und Freiheit, aus Wissen und Experiment, ist selten. Es erfordert Geduld, Demut und die Bereitschaft, Fehler zu machen. Aber genau diese Reise macht den Unterschied zwischen oberflächlicher Nachahmung und wirklicher Meisterschaft aus. Und vielleicht – nur vielleicht – ist es gerade dieser Prozess, der uns zeigt, wie nah Essen und Kultur miteinander verwoben sind.
In der ersten Woche taucht man langsam ein, fast wie bei einem neuen Rezept, das man noch nie gekocht hat. Die Grundlagen werden gelegt – einfache Gerichte, Basics der Zutatenkunde. Reis? Klar, aber welcher Reis passt zu welchem Gericht? Basmati ist nicht gleich Jasmin, und das merkt man schnell. Es geht nicht nur um Kochen, sondern auch um das Verstehen der kulturellen Bedeutung hinter den Speisen. Ein Teilnehmer fragte einmal: Warum gibt es in so vielen asiatischen Ländern fermentierte Soßen? Gute Frage, aber die Antwort kam erst später. Der Anfang ist oft chaotisch – zu viele neue Begriffe, Gewürze, die man vorher nie gerochen hat. Aber auch ein bisschen wie ein Abenteuer, oder? Später wird es komplexer. Man probiert sich an Gerichten mit langen Namen, die man kaum aussprechen kann – wie Bibimbap oder Shakshuka. Manche geben hier auf, weil die Zutatenlisten abschreckend wirken. Aber dann kommt der Moment, wo man merkt: Es ist nicht die Perfektion wichtig, sondern der Prozess. Ein Dozent hat mal gesagt: „Ein gutes Curry ist wie Jazz – es lebt von der Improvisation.“ Das bleibt hängen. Manchmal kocht man in Gruppen, und plötzlich diskutiert man über Dinge, die nichts mit Essen zu tun haben – regionale Unterschiede, Migration, Kolonialgeschichte. Nicht alles davon bleibt haften, ehrlich gesagt. Aber es fühlt sich lebendig an.